Vanessa Grimm stellt als beste deutsche Siebenkämpferin mit ihrem vierten Platz beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen die Weichen für einen eventuellen Olympia-Start - Andreas Bechmann als Dritter nur knapp unter den 8000 Punkten - neue PB für Jannis Wolff
  21.06.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Selten hat man eine Athletin nach einem vierten Platz so strahlen gesehen wie Vanessa Grimm beim Mehrkampf-Meeting in Ratingen. Wie bereits vor drei Wochen in Götzis, war die Siebenkämpferin vom Königsteiner LV erneut die beste deutsche Athletin im Feld. Mit 6231 Punkten zeigte Grimm ihren zweitbesten Siebenkampf, sammelte dabei wichtige Zähler fürs „World-Ranking“ und darf nun sogar von einem Olympia-Start träumen. Direkt in Tokio dabei sind jene Athletinnen, die die Norm von 6350 Punkten übertroffen haben. Die restlichen, der maximal 24 Startplätze in Japan, werden dann über das World-Ranking aufgefüllt. Das nächste „update“, dann mit den Resultaten von Ratingen, veröffentlicht der Weltverband (World Athletics) am Mittwoch. Die finale Entscheidung fällt am Ende des Monats. So lange läuft noch der Qualifikations-Zeitraum, wobei hochklassige Meetings nicht mehr im Kalender stehen.

Wie alle Athletinnen hatte Grimm zum Auftakt des zweiten Tages mit dem böigen und wechselnden Wind zu kämpfen. Nach 6,09 Metern in der ersten Runde, folgte eine leichte Steigerung auf 6,12 Meter. Nach den 6,26 von Götzis, hätten es gerne noch ein paar Zentimeter mehr sein können. Unterm Strich aber eine wirklich gute Weite - besonders sim Vergleich zu den deutschen Konkurrentinnen, die hier nicht richtig punkten konnten.

Beim Speerwerfen, nicht die Lieblingsdisziplin von Grimm, zeigte die Polizei-Kommissarin einen starken Wettkampf. Nach 41,52 Metern zum Auftakt, folgte die Steigerung auf 42,28 Meter und dann mit dem letzten Wurf die neue „PB“ von 45,05 Metern. Ein sattes Plus von über zwei Metern gegenüber der alten Bestmarke und zugleich ein (weiteres) kleines Polster vor den abschließenden 800 Meter. Sophie Weißenberg (Bayer Leverkusen), von der Papierform die bessere Mittelstrecklerin, lag nur wenige Punkte hinter Vanessa Grimm. Doch die Athletin aus der Farbenstadt stieg bereits auf der ersten Runde aus. Probleme mit dem Fuß (zugezogen beim Weitsprung) machten ein Weiterlaufen unmöglich. Die KLVlerin kämpfte um jede Sekunde und zeigte eine hervorragende zweite Runde. Starke 2:14,96 Minuten, eine weitere Bestmarke, waren der verdiente Lohn.

„Ich bin stolz auf die beiden guten Siebenkämpfe in Ratingen und in Götzis innerhalb von so kurzer Zeit. Wenn es mit dem Olympia-Start klappt, wäre das natürlich das i-Tüpfelchen auf eine tolle Saison. Besonders stolz bin ich auf die beiden Bestleistungen über 100 Meter Hürden und im Speerwurf“, verriet die seit Jahren von HLV-Coach Phillip Schlesinger betreute Athletin. Der Sieg in Ratingen ging mit der neuen Bestmarke von 6314 Punkten an die Kanadierin Georgia Ellenwood. Dahinter konnte Odile Ahguanwanou (BEN) mit 6274 Zählern einen neuen Landesrekord und eine „PB“ bejubeln. Das Podium komplettierte Verena Mayr (AUT/6254 Pkt.).

Andreas Bechmann, der nach dem ersten Tag als Führender mit der roten „Leader“ Startnummer übernachtet hatte, stieg mit einer für ihn guten Leistung in den Wettkampf ein. Die 110 Meter Hürden, nicht unbedingt die Lieblingsdisziplin des Eintrachtlers, endeten nach 15,24 Sekunden mit einer neuen Saisonbestleistung. Die Führung in der Zwischenwertung nach der sechsten Disziplin ging an Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied), der in 14,50 Sekunden durch den Hürdenwald stürmte.

Im ersten Durchgang passte es beim Diskuswerfen noch nicht und Andreas Bechmann verlies den Ring mit einem ungültigen Versuch.  Nach dem zweiten Wurf konnte der Frankfurter dann laut jubeln, flog die zwei Kilogramm schwere Metallscheibe doch auf 42,23 Meter und verbesserte damit seinen Haurekord um über einen halben Meter. Nach dieser Nummer verzichtete der Schützling von Coach Jürgen Sammert dann auf seinen dritten Versuch. Körner sparen für die nächsten Disziplinen.

Im Stabhochsprung lief es für den Eintrachtler nicht ganz nach Wunsch. Bei Überquerten 4,80 Metern war diesmal Schluss. Eine weitere Höhe hätte Andreas sicherlich gut getan. Nach der achten Disziplin verkündete der Stadionsprecher, dass Weltmeister Niklas Kaul (USC Mainz) und Andreas Bechmann den Zehnkampf vorzeitig beenden. Der Frankfurter hatte nach wie vor mit Problemen in seinem Fuß zu kämpfen. Die Verletzung (ein Ödem im Fuß) zog er sich beim Meeting in Götzis zu und  ist noch immer nicht komplett ausgeheilt. Als es dann zum Speerwerfen ging, hatte es sich Andreas wohl anders überlegt. Ein Versuch sollte es sein, um die Chance aufs „Durchkommen“ zu wahren. Das klappte auch ganz gut, flog der Speer doch auf solide 53,35 Meter. Danach humpelte Bechmann schnell aus dem Stadion, um sich von den Physiotherapeuten weiter behandeln zu lassen. Mit einem frischen Tape-Verband stellte sich der Eintrachtler an die Startlinie und kämpfte sich eisern über die knapp vier Runden. Sein Gesicht verriet aber, dass es eine harte Angelegenheit war, die nach 4:58,82 Minuten endete.

Mit 7955 Punkten wurde Bechmann Dritter und hat jetzt eine solide Leistung auf der Habenseite stehen. Damit blieb er trotz seines Handicaps ganz locker über der Norm von 7600 Punkten für die U23 Europameisterschaft in Tallinn. Man darf gespannt sein, wie nun der DLV agiert. Offiziell endete die Qualifikation für die U23 Mehrkämpfer nämlich mit dem Wettkampf in Filderstadt/Bernhauen. „Der Fuß tut richtig weh, ich hatte dem ZDF auch schon gesagt, dass ich den Zehnkampf nicht beende. Aber mein medizinisches Team hat in den letzten Wochen so tolle Arbeit geleistet, dass ich dann doch starten wollte. Nach meiner Corona-Erkrankung im März und den Fußproblemen kann ich stolz sein auf den dritten Platz. Das zeigt, dass das Niveau für Größeres da ist“, bilanzierte der Bundeskaderathlet. Vor Bechmann rangierten Kai Kazmirek (LG Rhein-Wied) und Matthias Brugger (SSV Ulm), die mit 8184 bzw. 8080 Punkten ihre Chancen auf Olympia über das World-Ranking wahrten.

Einen blitzsauberen Zehnkampf zeigte in Ratingen Jannis Wolff, der in fünf Disziplinen eine Saisonbestmarke verbuchen konnte und in den restlichen Disziplinen sogar mit neuen persönlichen Bestmarken glänzte. Gleich zum Auftakt der zweiten Halbzeit legte der Neuzugang im Eintracht-Trikot mit 14,70 Sekunden (PB) prächtig los. Es folgten 40,76 Meter (SB) im Diskusring und mit überflogenen 4,70 Metern im Stabhochsprung ein weiterer Hausrekord. Mit dem Speer (58,03 m) und über 1500 Meter (4:37,50 min.) brachte der ehemalige Aachener zwei weitere „SB´s“ in die Wertung. Die logische Konsequenz war eine Steigerung um satte 161 Zähler, womit Wolff nun bei starken 7831 Punkten angekommen ist und in der Endabrechnung Vierter wurde.