Souveräner Olympia-Auftritt der beiden Eintracht-Langhürdler in Tokio - Luke Campbell und Joshua Abuaku stürmen ins Halbfinale über 400 Meter Hürden
  30.07.2021 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Endlich geht es los. Gleich am Auftakt-Tag der Leichtathletik-Wettkämpfe bei Olympia in Tokio mussten zwei Hessen ran. Joshua Abuaku und Luke Campbell machten ihre Sache bestens. Die beiden Eintrachtler lösten ihre Aufgaben mit Bravour und zogen über die 400 Meter Hürden in die Zwischenläufe ein. Wer daheim in Deutschland „live“ dabei sein wollte, musste früh aus den Federn. Es war 03.55 Uhr in der Frühe, als der erste von fünf Vorläufen gestartet wurde. Eine Platzierung unter den Top-Vier garantierte die Teilnahme an der nächsten Runde. Zudem wurden noch vier weitere Tickets für die Zwischenläufe (Sonntag 14.05 Uhr deutsche Zeit) über die Zeitregel vergeben. Luke Campbell, der sich über das World-Ranking für Olympia qualifiziert hatte, war im dritten Rennen auf der vierten Bahn am Start. Eine gute Position, hat man von hier doch die Hälfte des Feldes im Blick. Campbell ging die Sache ziemlich flott an und war am Ausgang der Startkurve bereits auf den Franzosen Wilfried Happio aufgelaufen. Auch als es auf die Zielgerade ging, war Luke noch Zweiter. Dann wurde der Schritt etwas länger und mit Thomas Barr (IRL/49,02 sec.) und dem Italiener Alessandro Sibilio (49,11 sec.) zogen auf den letzten Metern noch zwei Konkurrenten an dem 26-jährigen Frankfurter vorbei. Auf der Außenbahn ließ Weltrekordler Karsten Warholm (NOR) mit einem klaren Start-Ziel-Sieg von der Spitze weg in 48,65 Sekunden nichts anbrennen. Campbell verteidigte in der Saisonbestzeit von 49,19 Sekunden seinen vierten Platz und hatte damit das große „Q“ für den direkten Einzug in die nächste Runde sicher.

„Ich wollte heute ein bisschen entspannter laufen, und ich glaube, das habe ich auch geschafft. Sonst bin ich immer zu schnell angelaufen, und mein Trainer sagt mir immer: Du musst ein bisschen ruhiger sein. Ich habe im Lauf gemerkt, dass ich bis zur achten Hürden gut gelaufen bin. Das hat mir dann gereicht, ich wollte einfach gut durchkommen, ohne mich zu sehr zu ermüden. Die Bedingungen heute waren sehr, sehr gut, ich dachte schon, dass es für alle schnell wird. Für mich war es nur wichtig weiterzukommen, mit den 49,19 Sekunden hätte ich nicht unbedingt gerechnet. Aber ich habe gewusst, dass ich so schnell laufen kann. Eine 48er Zeit ist im Halbfinale auf jeden Fall drin. Ich würde gerne ins Finale einziehen, ich glaube man hat heute gesehen, dass das möglich ist. Der Anfang der Saison war sehr schwer, mit einigen Verletzungen, aber jetzt fühle ich mich sehr gut und habe wieder mehr Selbstbewusstsein“, so der glückliche Langhürdler gegenüber dem Online-Portal leichtathletik.de .

Joshua Abuaku, der ebenfalls bei Volker Beck trainiert, startete im vierten Vorlauf auf der Außenbahn. Auch er lief das Rennen mutig an, wurde am Ende mit 49,50 Sekunden aber Fünfter. Es war also Warten angesagt, ob diese Zeit für die Halbfinals ausreichen würde. Aus den vorherigen Läufen waren die beiden Franzosen Ludvy Vaillant (49,08 sec.) und Wilfried Happio (49,39 sec.) etwas schneller unterwegs. Die Entscheidung musste also im letzten Vorlauf fallen. Hier schob sich aber kein Gegner mehr vor den Eintrachlter, so das Joshua über die Zeitregel ebenfalls in die nächste Runde kam. Hier ist dann auch Constantin Preis mit dabei. Der amtierende Deutsche Meister vom VfL Sindelfingen zeigte in seinem Lauf als Vierter 49,73 Sekunden.

„Die Olympia-Teilnahme war ein Traum für mich, und mein Ziel war es, noch eine Runde weiterzukommen. Das hat jetzt geklappt, auch wenn ich noch ein bisschen abwarten musste. Ich habe erst gedacht, dass ich vielleicht sogar auf Platz vier bin, aber ich bin auf Bahn acht ganz außen gelaufen, da kann man das nicht ganz so gut sehen. Als ich die Zeit, 49,50 – mein zweitschnellstes Rennen ever – gesehen habe, dachte ich: Okay, das war gar nicht so schlecht. Aber ich wusste nicht, wie schnell die anderen waren. Oben in der Mixed Zone habe ich schon gesagt bekommen, dass es eigentlich reichen müsste. Dass wir uns alle Drei für die nächste Runde qualifiziert haben, macht es natürlich noch mal besser. Wir sind ja auch auf einem Zimmer, das gibt Motivation und dann geht da auch in zwei Tagen noch ein bisschen was. Was das Stadion hier besonders macht ist die Größe, das kann man nicht vergleichen mit jedem anderen Stadion, in dem man sonst läuft. Noch schöner wäre es, wenn auch Zuschauer dabei wären. Aber selbst ohne Zuschauer ist es eine geile Atmosphäre und es macht einfach Spaß hier zu laufen“, fasst Abuaku seine Eindrücke zusammen.

Am ersten Tag hätte auch Lisa Mayer (Sprintteam Wetzlar) über 100 Meter ihren ersten Start gehabt. Hier wären (über die Zeit) 11,21 Sekunden nötig gewesen, um die Halbfinals am Samstag zu erreichen. Eigentlich absolut machbar für Lisa, die mit einer Bestzeit von 11,12 Sekunden nach Tokio kam, wegen einer wieder aufgebrochenen Verletzung jedoch schon wieder zurück nach Deutschland reiste. Alexandra Burghardt (11,08 sec.) und Tatjana Pinto (11,16 sec.) machten alles richtig und dürfen nun am Samstag nochmals ran.