Karges-Knaller! Marius hat den Dreh raus. Zweimal deutscher U20-Rekord bei den Werfertagen in Halle/Saale
  23.05.2022 •     Leistungssport , Wettkampfsport


Bereits ganz früh in der Saison hatte Marius Karges (Eintracht Frankfurt) angedeutet, dass er gut drauf ist. Bei den deutschen Winterwurf-Meisterschafen im Februar in Sindelfingen holte sich Karges mit 63,38 Metern den U20-Titel. Damals verdrängte er mit seinem letzten Wurf Mika Sosna (LG Bergedorf) von der Spitze und schnappte ihm die bereits sicher geglaubte Goldmedaille weg.

Bei den Werfertagen in Halle/Saale kam es nun zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Diskus-Asse. Diesmal ging es aber gleich zu Beginn zur Sache. Karges stiegt mit moderaten 61,87 Metern in den Wettkampf ein, ehe es dann beim zweiten Versuch so richtig krachte. Das 1,75 Kilogramm schwere Sportgerät des Eintrachtlers wollte gar nicht mehr landen und krachte erst bei  phantastischen 66,85 Meter auf den Boden. Damit war Gordon Wolf (SC Potsdam) seinen deutschen Rekord los, den er 2009 mit 66,05 Metern in Wiesbaden aufgestellt hatte.

Sosna kam kam nur schwer in den Wettkampf. Erst im dritten Durchgang flog der Diskus auf passable 61,63 Meter. Dann folgte ein starker Konter, doch die starken 66,22 Meter des Norddeutschen reichten nicht für einen Führungswechsel. Marius zeigte dann noch 65,69 und 64,83 Meter, ehe es wieder schepperte. Mit seinem fünften Wurf packte der Adlerträger noch ein paar Zentimeter drauf und stellte mit 66,97 Metern den zweiten deutschen Rekord innerhalb einer knappen Stunde auf. Die beiden Protagonisten haben nun beste Chancen auf die zwei Tickets zu den U20 Weltmeisterschaften in Cali (Kolumbien) - die Norm von 57,50 Metern haben sie ja locker überboten.

Machen wir mit dem Diskuswerfern weiter. In der U20 war es Katja Seng (LAZ Bruchköbel), die einen weiteren Hessensieg eintütete. Es war jedoch eine Zitterpartie, gelang der Athletin aus dem Main-Kinzig-Kreis doch nur ein gültiger Versuch. Der flog aber auf starke 50,95 Meter. Das reichte, um sich knapp gegen Joane Schoppa (SC Potsdam) durchzusetzen, die mit ihrem letzten Wurf auf 50,84 Meter nochmals kräftig Druck machte. Seng bestätigte erneut die WM-Norm für Cali (49,50 m) und ist eine heiße Anwärterin auf eines der beiden Tickets für Kolumbien. Ihre Vereinskollegin Lena Weinrauch fand als Vierte mit 46,43 Metern nicht so richtig in den Wettkampf. Sie warf in diesem Jahr den Diskus bereits auf 49,84 Meter.

Eine Klasse für sich war einmal mehr Curly Brown (Eintracht Frankfurt), die in der U18 mit einem Wurf auf ganz starke 48,30 Meter ihre Vormachtstellung in Deutschland eindrucksvoll unterstrich. Brown hat damit das Ticket zur U18-EM in Jerusalem so gut wie sicher. Das mit Spannung erwartet „Hessen-Duell“ gegen Milina Wepiwe (TSG Wehrheim), sie ist mit  46,89 Metern bundesweit die zweitbeste Werferin, fiel aber aus. Wepiwe, die eigentlich den Abstand auf die Eintrachtlerin verkürzen wollte, hatte ihre Nerven nicht im Griff. Sie blieb mit schwachen 39,46 Metern deutlich unter ihrem Leistungsniveau und schied im Vorkampf aus. Bei den Jungs der U18 beförderte Andre Luis (MT Melsungen) den Diskus als Fünfter auf 51,63 Meter. Ihm fehlte damit rund ein Meter zur Saisonbestmarke, die bei 52,70 Metern notiert.

Beim Hammerwerfen ging Samatha Borutta (Eintracht Frankfurt) gleich in zwei Wettbewerben in den Ring. Im Wettkampf der Frauen lieferte sich die Olympia-Teilnehmerin einen schönen Zweikampf mit Katrine Jacobsen, den die Dänin mit einer Weite von 69,86 Metern knapp zu ihren Gunsten entscheid. Borutta hatte zuvor 68,63 Meter geworfen, packte dann mit ihrem letzen Wurf noch einen guten Meter drauf. Mit der Saisonbestmarke von 69,75 Metern rückte sie der Skandinavierin ganz dicht auf die Pelle. Am zweiten Wettkampftag stand das Hammerwerfen der U23 auf dem Programm. Hier setzte sich die Frankfurterin mit 68,07 Metern problemlos gegen Sara Forssell (SWE/65,68 m) durch. Einen weiteren Eintracht-Sieg gab es durch Sören Klose. Er hatte in der U23 mit der Saison-Bestmarke von 69,34 Metern den Schweden Hugo Sörby (67,17 m) im Griff. Nicht am Start war hier leider Merlin Hummel (UAC Kulmbach), mit 73,47 Metern der aktuell bester deutsche U23-Werfer.

In Top-Form präsentierte sich in Sachsen-Anhalt Kai Hurych (U20). Der Hessenrekord-Halter (71,85 m) im Trikot des KSV Fürth markierte ganz  starke 71,01 Meter. Damit blieb er erneut sicher über der WM-Norm für Cali und musste in Halle lediglich dem Ungarn Miklos Csekö (72,85 m) den Vortritt lassen. Tim Steinfurth (LG Eppstein-Kelkheim) ließ den sechs Kilogramm schweren Hammer auf 62,82 Meter (SB) fliegen. In der jüngeren U18 hatte Tom Baumann (LG Odenwald) mit 55,69 Metern (4.) ebenfalls eine „SB“ im Gepäck. Max Baier (TV Fränkisch Crumbach) beendete den Wettkampf der U16 als Zweiter (57,80 m). Bei den Mädels der U18 wäre noch Johanna Marwitz (Eintracht) zu nennen, die mit 57,66 Metern (5.) nur knapp unter ihrer Saisonbestmarke blieb.

Jana Marie Lowka (Eintracht Frankfurt) gehört noch der U23 an, nahm aber in Halle bei den Frauen den Speer in die Hand. Mit 55,62 Metern (7.) blieb Lowka jedoch klar unter ihren jüngst in Offenburg erzielten 58,06 Metern. Auch bei Emma Wörsdörfer (TV Elz) lief es nicht nach Wunsch. Sie brachte 51,30 Meter (schon 53,03 m geworfen) in die Wertung ein. An der Spitze des Feldes war Christin Hussong (LAZ Zweibrücken/62,33 m) nicht zu schlagen. Gerade einmal 29 Zentimeter trennten die drei Top-Werferinnen in der U23. Der Tagessieg ging mit 51,96 Metern schließlich an die Italienerin Carolina Visca (51,96 m), die sich knapp gegen Julia Ulbricht (LAV Rostock/51,85 m) und die Eintrachtlerin Lilly Urban (51,67 m) behaupten konnte. Letztgenannte zeigte neulich beim Meeting in Offenburg starke 53,59 Meter. Bei den Jungs der U23 war auch bei Robin Rieß (Eintracht) Luft nach oben. Mit 65,57 Metern (7.) fehlten ihm über zwei Meter zu seiner Jahresbesteweite von 67,76 Metern. In Richtung 60-Meter marschierte dagegen Nachwuchwerfer Fynn Lenzner (TSG Wehrheim), der sich in der U20 als Sechster auf 59,24 Metern steigern konnte. Die 60 Meter locker übertroffen hat in der U20 Simon Schmitt (TSV Pfungstatt). Er war mit seinem letzten Versuch tolle 54,78 Meter, wurde damit Dritter und ist im DL-Ranking seiner Klasse Vierter.

Etwas dünn sieht es momentan beim Kugelstoßen in Hessen aus. Bei den Jungs war hier nur Andre Luis (MT Melsungen) im Einsatz. Der U18er machte seine Sache als Zweiter aber bestens. Mit 18,76 Metern gelang ihm ein Stoß über die geforderte Qualifikation für die EM in Jerusalem, die bei 18,50 Meter festgezurrt wurde. Eine Liga höher ist Georg Harpf (LG Stadtwerke München) unterwegs. Der Bayer konnte ganz starke 20,14 Meter bejubeln.

Lediglich zwei Athletinnen gingen im Sportzentrum Brandberge in den Ring. Und dieses Duo betreibt dann auch noch das Diskuswerfen als Hauptdisziplin - das Kugelstoßen ist eher ein „Nebenprodukt“. Curly Brown (Eintracht Frankfurt) kann aber auch „Kugel“. Mit 14,44 Metern zeigte sie als Fünfte der U18 eine neue Bestweite. Milina Wepiwe (TSG Wehrheim) wurde mit 13,24 Metern Neunte.